
Er war der Mann für die „unmöglichen Fälle” und hielt mit dem VfL ein ums andere Mal die Klasse: Rolf Schafstall, von 1981 bis 1986 Cheftrainer an der Castroper Straße, feiert am 22. Februar seinen 75. Geburtstag. Der VfL gratuliert aufs Herzlichste.
„Wenn du aus wenig ganz viel rausholen willst, geht das nur mit harter Arbeit. Das Nichtabsteigen hatte ich von der Pike auf gelernt“, sagte Schafstall einst in einem Interview. Beim VfL hat er dieses Credo gleich mehrmals erfolgreich anwenden können. Während seiner ersten und längsten Trainertätigkeit für unseren Verein wurde der VfL unter seiner Regie regelmäßig vor der Saison zu den sicheren Abstiegskandidaten gezählt. Doch nur einmal, 1983/84, wurde es richtig eng, so dass Schafstall und seine Mannen erst am 34. Spieltag die Rettung feiern konnten (6:1 gegen Fortuna Düsseldorf). Davor und danach lief der VfL am Saisonende zumeist im gesicherten Mittelfeld der Tabelle ein, 1984/85 schrammten die Bochumer Jungen sogar nur knapp am internationalen Geschäft vorbei. Von Max Merkel, dem ehemaligen Meistertrainer und Kolumnisten der BILD-Zeitung, erhielt Schafstall in Anerkennung seiner Dienste die bis dato einmalig verliehene höchste Auszeichnung: 6 Bälle (von 5 möglichen)!
Das internationale Geschäft hatte Rolf Schafstall zuvor bereits mit dem MSV Duisburg erreicht. Der gebürtige Duisburger führte den Club seiner Heimatstadt 1978/79 sensationell ins Halbfinale des UEFA-Cups, in dem die „Zebras“ ausgerechnet gegen Borussia Mönchengladbach unterlagen (2:2, 1:4). Der MSV war auch seine erste Trainerstation (1975/76), nachdem Schafstall als Spieler für Hamborn 07 und den SSV Reutlingen aktiv war. Über die Stationen Karlsruher SC (1977/78), MSV Duisburg (1978/79) und Rot-Weiss Essen (1979-81) gelangte er schließlich zum VfL Bochum 1848, wo er eine Ära prägte. Unvergessen sein Ausspruch „Was ist nur mit dem Deutschen Meister los?“, als seine Mannschaft mit 4:0 beim VfB Stuttgart triumphierte. Dass der VfB zu jenem Zeitpunkt bereits kein Meister mehr war, störte in und um Bochum niemand. Im Gegenteil: Die komplette Mannschaft wurde abends vom ZDF ins „aktuelle sportstudio“ eingeladen.
Schafstall sollte noch zweimal den VfL trainieren und dabei sein Image als „Feuerwehrmann“ untermauern. Im April 1991 löste er Reinhard Saftig ab, unter dem der VfL bedrohlich in Richtung Abstiegsränge abgerutscht war. Schafstall schaffte es, das Ruder herumzureißen und bereits am vorletzten Spieltag den Klassenerhalt quasi unter Dach und Fach zu bringen. Dabei gelang seinem Team beim Gastspiel in Düsseldorf das Kunststück, einen 0:3-Rückstand in einen 4:3-Erfolg zu drehen; dieser „Rekord“ hielt fast 20 Jahre lang (bis 2010). Zur neuen Saison wurde Schafstall dann von Holger Osieck abgelöst. Sein letztes Intermezzo beim VfL war leider nicht von Erfolg gekrönt: 2001 schaffte die Blau-Weißen unter ihm nicht mehr die Wende und mussten als 18. in die 2. Bundesliga absteigen. Auf jenem Tabellenplatz hatte Schafstall die Mannschaft von Ralf Zumdick nach dem 21. Spieltag auch übernommen.
Zwischen den Tätigkeiten für den VfL coachte Schafstall u.a. noch die Teams von Schalke 04, Bayer Uerdingen, dem VfL Osnabrück, Fortuna Düsseldorf, die Stuttgarter Kickers und Hannover 96. Schafstall sah sich stets als „Kind des Ruhrgebiets“ und legte Wert auf Disziplin. „Meine Mannschaften konnten auch Fußball spielen, aber die Tradition im Ruhrgebiet ist es nun mal, die Ärmel hochzukrempeln und zu malochen“, gab er einst zu Protokoll. Noch heute ist er regelmäßig zu Gast im rewirpowerSTADION, beim Jubiläum „100 Jahre anne Castroper“ durfte er selbstverständlich nicht fehlen. Der VfL Bochum 1848 gratuliert Rolf Schafstall nun ganz herzlich zu seinem persönlichen Jubiläum.